Vortrag: Strategische Influencer Relations

Ich war neulich als Gastredner bei einem Event des Social Media Monitoring Tools Brandwatch eingeladen und durfte dort einen Impulsvortrag zum Thema Blogger Relations halten und zeigen, wie wir bei  Weber Shandwick dies effektiv und sinnvoll zu einem strategischen Ansatz für Influencer Relations ausgebaut haben. Danke, Brandwatch, für die Einladung. Hier ein Videomitschnitt davon:

Ziemlich super-interessanter Vortrag finde ich, trotz zu vieler “ähm” und “vielleicht” vielleicht.

Zwei Termine in eigener Sache

Ein Hinweis auf zwei kleine, aber feine Termine in der letzten Novemberwoche (24.-30.11.), auf denen ich etwas zu sagen habe.

Mittwoch, 26.11.2014 in München, um 19 Uhr
Podiumsdiskussion: Strategische Krisenkommunikation 2.0

Im Rahmen der Podiumsdiskussion zu Krisenkommunikation in Social Media veranstaltet vom Bayerischen Journalisten Verband stellen wir unsere Social Media Krisensimulation firebell live und in Farbe vor, mit der wir für Kunden Krisentrainings auf deren eigenen Social Media Kanälen simulieren. Macht immer viel Spaß und ich würde mich freuen, das eine oder andere bekannte Münchener Gesicht dort zu sehen. Danach ist sicher noch Zeit für einen kurzen, persönlichen Austausch.

Mehr Infos zum Event hier. Verbindliche Anmeldung bis zum 24.11. per Mail an info@ihns-publicrelations.com oder fg-pr-oea@bjv.de. Ich würde mich bei erfolgter Anmeldung über einen Ping auf Twitter freuen.

Freitag, 28.11.2014 in Berlin, um 9 Uhr
Brandwatch Brunch: Monitoring zum Frühstück

Ich wurde vom Brandwatch Deutschland Team gefragt, ob ich Lust hätte, auf ihrem Business Brunch einen Impulsvortrag zu Blogger Relations zu halten. Natürlich habe ich Lust!  Ausgehend von der Welle an Diskussionen, die 2014 in der Branche das Thema Blogger Relations erneut aufkommen ließ, frage ich, ob Blogger Relations alter Wein in neuen Schläuchen sind. Ob die Zusammenarbeit von Agenturen mit Bloggern überschätzt wird. Und dass zwar jeder behauptet, Blogger Relations zu können, doch die Ansätze, die richtigen Influencer zu finden und anzusprechen mir doch sehr unterschiedlich scheinen. So die Richtung jedenfalls. Mehr zum Event auf dem Blog von Brandwatch Deutschland.

Anmelden kannst Du dich via kontakt@brandwatch.com oder über XING. Die Plätze sind begrenzt, d.h. first come, first served.

Mehr.

Mehr Likes, mehr Shares, mehr Kommentare. Mehr Freunde, mehr Follower, mehr Replies und Retweets, mehr Favs, mehr Popularität und mehr Liebe. Mehr Kunden, mehr Umsatz, mehr Verantwortung, mehr Karriere, mehr Geld auf dem Konto, mehr Quadratmeter Wohnraum, mehr Gigabyte auf der Festplatte, mehr Flachbildschirm-Diagonale. Mehr PS, mehr Kilometer in der Stunde, mehr Bonusmeilen, mehr wichtiger als du. Mehr, mehr, mehr. Mehr Weniger ist mehr.

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Wir sind getrieben von Zahlen. Wie sehr das stimmt, merkte ich diese Woche alleine daran, wie entspannt mir Facebook vorkommt, wenn ich all die vielen kleinen Zahlen dort einfach mal ausblende. Keine weisse Zahl auf rotem Grund oben in der Kopfzeile, keine Like-Angaben unter den Beiträgen in der Timeline. Keine Anzahl von Freunden, die Facebook-Anzeigen gemocht haben. Ein Traum? Dies ist möglich mit einem Browserplugin:  Facebook Demetricator von Benjamin Grosser. Facebook ist voll mit Metriken und wir haben uns daran gewöhnt, dass viele unsere sozialen Interaktionen auf Facebook flankiert werden von Zahlenangaben. Das macht Facebook, um die Interaktionen auf der Seite und die Klicks hoch zu halten. Unser Verhalten wird von diesen Zahlen beeinflusst, dadurch dass sie jederzeit sichtbar sind. Benjamin Grosser, der sich als Künstler und Komponist in seiner Arbeit auf die kulturellen, sozialen und politischen Auswirkungen von Software konzentriert, geht sogar davon aus, dass diese Metriken Stress bei den Facebook-Nutzern erzeugen, uns unter Druck setzten und Verhaltensweisen an den Tag legen, die einer schwachen Sucht gleich kommen.

In diesem Video erklärt Benjamin Grosser in wenigen Minuten seinen Ansatz:

Aus dem Feedback von Usern des Plugins, die ihm ihre Erfahrungen schilderten, hat Benjamin Grosser nun einen detaillierten Bericht veröffentlicht zur Frage: What Do Metrics Want? How Quantification Prescribes Social Interaction on Facebook (Computational Culture). Bin ich via How Numbers on Facebook Change Behavior (The Atlantic) drauf gestoßen.

Könnt ihr euch noch daran erinnern, wie viel Stress und schlechtes Gewissen die Benachrichtigungen vom RSS-Reader immer gemacht haben, bevor man ihn aus der Taskleiste oder dem Dock entfernte? Eine weisse 5000+ auf rotem Kreis zeigte an, dass ich es nie schaffen werde, alle abonnierten Blogs jemals zu lesen. Auf dem Handy lauert an jedem App-Icon das selbe Problem. Auf Twitter ist es natürlich nicht anders, morgens schaue ich als erstes, ob ich neue Favs, Retweets und Replies habe. Diese Zahlen machen uns verrückt nach mehr, mehr, mehr +1 und lassen uns das Wesentliche vergessen.

Vielleicht kann man auch mal so ein praktische Plugin für Unternehmen bauen, die so heiss auf Metriken sind und durch all die Social Media Quartalsreports vergessen, vielleicht überhaupt erstmal eine vernünftige Social Media Strategie zu erarbeiten.

25 Jahre Mauerfall: Mein Tagebuch

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Ich war gerade im Keller und habe mein Tagebuch von 1989 gesucht. Das ist so schlecht und wird auf keinen Fall veröffentlicht!

Ich war 1989/90 für ein Jahr als Austauschschüler in den USA und das Tagebuch hat tatsächlich eine Lehrerin angeregt. An der High School war ich in einer Klasse für kreatives Schreiben und da gehörte sozusagen nur diese Kladde und ein Stift zum Unterrichtsmaterial. Neben Übungen aus der Creative Writing Class (Listen und mehr oder weniger allgemeine Lebensfragen, zu denen wir dann Essays schreiben sollten) begann ich tatsächlich, Tagebuch zu schreiben. Das habe ich vorher nicht gemacht und in dem Jahr 1989 erst begonnen. Es geht da meist um das Gastschüler-Dasein an sich. Also, wie ich die Umgebung sehe, viel über Mädchen und ganz viel Selbstfindungszeug. Rund um den 9.11.1989 geht es hauptsächlich um Amy, Marcey, Stefanie und Lisa, was einen halt so interessiert als gerade mal 17-Jähriger. Zum Mauerfall habe ich nichts in das Tagebuch geschrieben. Mitte November sind wir dann für ein paar Tage nach New York City gefahren. Das füllt sehr viele Seiten und auch hier viele Gedanken über Mädchen (was mir ehrlich gesagt gar nicht mehr so bewusst war, nun gut).

Ich kann mich aber durchaus noch daran erinnern, was ich gemacht habe, als die Mauer fiel. Ich lag auf meinem Bett und habe Hausaufgaben gemacht, als mich mein Gastvater ganz aufgeregt rief, ich würde nicht glauben, was auf CNN gerade gezeigt würde. Glaubte ich auch erstmal nicht. Sah dann die Bilder und telefonierte mit meinen Eltern. War echt. Aber ich war wohl zu sehr mit mir und den USA beschäftigt, als dass ich eine große, bleibende Emotion verspürt hätte. Dafür war das einfach gerade zu weit weg für mich. Ich habe den Mauerfall dann in den nächsten Wochen eher rational in amerikanischen Tageszeitungen oder dem TIME-Magazine verfolgt. Eine emotionale Auseinandersetzung damit begann dann erst im Sommer 1990, als ich wieder zurück in Deutschland war und die Wiedervereinigung konkreter vor der Haustür stattfand. Vielleicht kann ich auch deshalb den aktuellen Feierlichkeiten in Berlin nicht ganz so viel abgewinnen.

So war das damals bei mir.

Heute morgen habe ich sehr interessiert die Tagebucheinträge von Frische Brise durchgelesen. 1989 war sie zwölf und lebte in Ost-Berlin. Ihre Eltern hatten einen Ausreiseantrag laufen, der dann mit dem Mauerfall genehmigt wurde. Sie zogen dann nach Berlin-Zehlendorf. Lesenswerte Mädchentagebucheinträge mit Klassenfahrten, Schulnoten, Jungs, Pferden und eben dem Mauerfall und Umzug nach West-Berlin: Mein Mauerfall 1 / Mein Mauerfall 2 / Mein Mauerfall 3 / Mein Mauerfall 4

Ebenso interessant, wenn nicht sogar noch spannender, weil schon etwas erwachsener geschrieben und sehr persönlich, empfand ich die Tagebücher, die Mikis auf Wesensbitter über seinen letzten Sommer in der DDR momentan veröffentlicht. Sehr lesenswert: Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober

via: Kraftfuttermischwerk und percanta.

Catvertising war gestern. Reactvertising™ hat den Raum betreten.

Die amerikanische Agentur John St. ist bekannt für ihre satirischen Promotion Videos. Als erstes sind sie mir vor ca. 3 Jahren aufgefallen mit ihrem Catvertising Video – eine Marketing-Strategie, die Katzenvideos ins Zentrum von Markenaktivitäten rückt. Oder dem BUYRAL-Trend, der zeigt, wie man durch Professional Clicking Videos “viral gehen” lässt. Ein ganz heißer, neuer Trend, dem nun John St. auf der Spur ist, heißt Reactvertising: Echtzeit-Reaktionen von Marken auf aktuelle News mit hohem Popularitätswert. Quasi Hashtag-Hijacking:

via: E-Mail einer US-Kollegin.

Herbsturlaub am Großglockner

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Es waren Herbstferien, die ersten Ferien unserer seit diesem Jahr schulpflichtigen Tochter. Unsere Kinder waren noch nie in den Bergen. Das sollte nicht so bleiben und daher haben wir unsere Sachen gepackt und sind nach Österreich in die Berge gefahren.

Was ich im Urlaub noch nie erlebt hatte war, dass ein Panoramabild unsere Unterkunft – eine hübsche Almhütte – alle 15 Minuten von einer Webcam fotografiert wurde. Derzeit ist ja die Überwachung des Internets durch die NSA in aller Köpfe. Jedoch wird viel zu wenig dagegen getan und viel zu wenig über die unerlaubte Sammlung und Auswertung unserer Daten demokratisch debattiert, wie wieder kürzlich und besonders anschaulich von Sascha Lobo in Hannover beklagt wurde (sehenswerter Videomitschnitt vom NDR, auch im Kontext der Folgen von Datenverwertung für die Zivilbevölkerung). Die totale Überwachung der Daten aller Menschen im Internet durch Geheimdienste bringt eine schleichende Veränderung der Gesellschaft und geänderte Verhaltensweisen von Individuen mit sich. Dadurch dass man weiß, dass man ständig beobachtet wird, passt man rational sein Verhalten diesem Umstand an, auch wenn man “nichts zu verbergen hat”. Denn man weiss nie, ob in einem bestimmten Kontext eine Handlung von Maschinen oder Analysten falsch interpretiert wird und Folgen für einen haben könnte. In Sascha Lobos Vortrag zum Zustand der digitalen Sphäre  wird z.B. der Fall überlegt, ob beispielsweise eine kritische Meinungsäußerung auf Facebook über die Außenpolitik von Obama, Einreiseprobleme bei der demnächst bevorstehenden, wichtigen Geschäftsreise in die USA mit sich bringen könnte. Entsprechend würde man sich also höchstwahrscheinlich entscheiden, seine Meinungsäußerung zurück zu halten und sich selbst zu zensieren. DDR-Erfahrene können davon ein Lied singen. An sich ist einem das Prinzip des Panopticons ja klar. Doch die Überwachung des Internets ist so allumfassend und gleichzeitig so abstrakt, dass sie für viele Bürger schwer nachvollziehbar ist. Was soll das denn mit einem selber zu tun haben? Saschas Vortrag beantwortet diese Frage sehr eindringlich.

So eine Webcam, die alle 15 Minuten ein Bild veröffentlicht, ist selbst verständlich nicht vergleichbar mit der Überwachungsesoterik unserer Geheimdienste. Aber sie ist konkret nachvollziehbar und tatsächlich war ich mir den ganzen Urlaub darüber bewußt, dass ich zufällig oder beabsichtigt gerade im Ausschnitt der Webcam herumurlaubte, wenn diese sich selbst auslöste. Ich habe mich also im Urlaub gedanklich eingehender und am eigenen Leib oberflächlich mit  Überwachung  beschäftigt.

Und hier kommt nun eine Auswahl an automatischen Urlaubsbildern, ganz im Sinne des Automatismus vom Gehirn und von der Hand befreit. So war’s in Osttirol am Fuße des Großglockners im Herbst 2014:

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Grüße aus Tirol.

Webcam der Luckneralm am Fuße des Großglockner

Webcam der Luckneralm am Fuße des Großglockner

Wir sind in den Bergen und unsere Hütte, in der wir diese Woche verbringen, ist im Fernsehen: Es gibt eine Webcam und vielleicht schaffen wir es, uns jeden morgen dort an der kleinen Statue um 11 Uhr zu treffen und euch zuzuwinken.

Da will man mal raus, kein Internet usw., und landet im Alpen-Big-Brother. Tja.

Guten Tag, Kabel Deutschland am Apparat…

Abendstimmung.

Callcenter: “Guten Tag, Kabel Deutschland am Apparat. Wir gehören ja jetzt zu Vodafone und möchten gern ihren alten Vodafone Internet Vertrag auf Kabel Deutschland umstellen.”

Ich: “Ach, ich dachte schon, sie wollten sich kurz erstmal entschuldigen für den Ausfall vom Kabelfernsehen neulich in Berlin. Ich kaufe nämlich nichts am Telefon.”

Callcenter: aufleg.

Och, Kabel Deutschland, so wird das aber nichts mit uns. Ein bißchen Spaß muss sein. Musst doch nicht gleich beleidigt sein.