Das verflixte siebte Blogjahr.

Es ist etwas ruhig geworden in diesem Weblog. Einhergehend mit diversen externen Einflüssen (Job, Familie, Selbstfindung) passe ich mich da dem allgemeinen Trend der allgemeinen Konsolidierung des Bloghypes an. Viele von Euch kennen es, und es wird ja auch gern thematisiert: Neben Twitter, Facebook und diversen anderen, vermeintlich schnelleren Plattformen ist das verhältnismässig gemächliche Bloggen beinahe zu einer altmodischen Form der Internetkommunikation geworden. Warum noch schreiben? Wenn man YouTube-Videos oder gute Links teilen möchte, öffnet man nicht mehr den Blogeditor, schreibt eine kurze Notiz oder sammelt am Abend, was einem rückblickend für den Tag wichtig erschien. Heute reicht ein Klick auf einen Daumen, oder ein Bookmarklet im Browser und schon verteilt sich der Link auf allen beliebigen Social Networks, die man so pflegt. Man kann sich schnell einbilden, dass man darüber auch eine gewisse Meinung performen, eine Netzidentität pflegen kann. Ich glaube aber, mir reicht das publizistisch-konsumierende Rumgeklicken nicht, mir ist das zu beliebig. Ich möchte nachdenken und nachdenken kann ich beim Schreiben.

Es sind die kleinen, persönlichen Dinge, die mich an Weblogs reizen. Jene Dinge, die man sich nicht mit Oliver Gassners Blogtipps zur Besucher- und Reichweitensteigerung aneignen kann. Jene Dinge, die einen selber antreiben zu schreibe, und die es einem Wert sind über etwas zu schreiben. Wenn die Motivation eines Blogautors jedoch nur in Reichweite und Popularität begründet liegt, merkt man das dem Blog schnell an, finde ich. Es wird langweilig und bald verliert auch der Blogger selber das Interesse. Oder er wird Profiblogger. Andererseits ist Publikum natürlich sehr wichtig. Viel wichtiger bei all dem ist aber der eigentliche Inhalt. Doch worüber und wozu schreibe ich nach sieben Blogjahren?

Ja, es ist eine schnelllebige Zeit, ich hab einiges um die Ohren und bin of müde. Trotzdem möchte ich hier wieder etwas mehr Schwung reinbekommen. Das Bloggen nicht so bierernst nehmen, es muss ja nicht immer ein fertiger, großartiger Text sein. Es soll bitte schön weitergehen. Wie und worüber, dass weiss ich nicht. Vielleicht ist das das Hauptproblem, dass ich inhaltlich nicht mehr so weitermachen möchte, wie die letzten sieben Blogjahre. Andererseits gab es da ja auch immer die Selbstreflexion. Ich hab schon überlegt, ob ich mir einfach eine eigene Social Media Strategie entwickle, exemplarisch als Blog-Serie, so wie man das auch gemeinsam mit einem Kunden entwickeln würde. Mit Channel-Strategie und dem gesamten Komplettpaket zur Erarbeitung einer digitalen (Marken)Identität.

Ich fang erstmal mit Urlaub an. Ich kann das Meer schon hören, denn ich schreibe diesen Text mit Ommwriter, einem ganz besinnlichen Texteditor, den ich jenen von Euch ans Herz lege, die gern ohne visuelle Störungen schreiben wollen (verfügbar für Mac als free & paid Versionen).

Über den Autor

Hallo, ich heiße Tillmann Allmer und arbeite als Digital Stratege in einer globalen Kommunikationsagentur. Ich bin Vater von zwei Kindern und lebe mit meiner Familie in Berlin. Pro2koll.de ist mein persönliches Blog über Alltagsbeobachtungen und daraus resultierender Inspiration. Folge mir auf Twitter unter @tristessedeluxe oder werde Fan von Pro2koll.de auf Facebook, um keine Updates zu verpassen. Mehr über dieses Blog steht hier.

2 Kommentare

  1. Mir war dieses Strategie-Bloggen auch schon immer zu wider … und ist es noch immer. Irgendwie hat das, was du schreibst mir spontan eine Session auf dem zweiten Stuttgarter Barcamp (vor gut einem Jahr) zurück ins Gedächtnis gerufen. Ich habe danach darüber gebloggt (Content Long Tail) und dabei unter anderem folgendes geschrieben:

    In der […] Diskussion arbeiten wir gemeinsam heraus, dass im Gegensatz zu vielen klassischen Inhaltsproduzenten, viele Blogger nicht für eine Zielgruppe schreiben, sondern eher für sich selbst und sich vor allem Themen vornehmen, die sie (gerade) sehr interessieren.

    Keine Ahnung, ob ich mit dem „viele Blogger“ recht hatte, aber es sind meiner Ansicht nach zumindest die, die ich lieber lese…

    • Ja, es gibt solche und solche Blogger. Ich glaube, die Frage wird immer wieder aufkommen, schließlich stehen da im Prinzip zwei gegensätzliche Haltungen gegenüber: möchte man Popularität / Reichweite, greifen Mechanismen des klassischen Medienmarktes. Man wird zu einem Konkurrent unter anderen Konkurrenten.

      Es gibt aber Menschen, die gar nicht an solchen Wettbewerben teilnehmen wollen. Dann bloggt man zunächst primär für sich mit der Hauptmotivation sich oder sein Wissen mit zu teilen. Die eigentlich schönere (und klassische) Haltung im Netz.

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