Qualität und Leid des Bloggens

Qualität und Leid des Bloggens ist, dass es im Gegensatz zu Social Networks und Twitter ein sehr viel langsamer drehendes Medium ist. Das heisst für mich: mehr Erinnerungswert durch mehr Erinnerungsarbeit. Es braucht einfach mehr Zeit, zu bloggen, als hier und da mal eine paar Zeichen zu verlieren (siehe auch Loser networken, Winner bloggen). Das gilt für persönliche Blogs und noch viel mehr für Blogs, die sich mit bestimmten Themen auseinander setzen.

In den letzten Tagen habe ich mehrfach nach im Blog festgehaltenen Eckpunkten gesucht. Nachschlagen von Filmen in einer bestimmten Zeit etwa, oder was ich vor fünf Jahren eigentlich rund um meinen Geburtstag gemacht habe. Neulich war 10 Jähriges. Mithilfe des Weblogs – auch wenn es nicht konsequent täglich oder wöchentlich gepflegt ist – konnte wir zumindest einiges aus den 10 vergangenen Jahren rekonstruieren. Jobwechsel, Urlaube, Frust und Freude. Hätten wir vermutlich auch ohne Weblog hinbekommen.

Das erste, was man in der neuen Timeline von Facebook ausprobiert, ist Erinnerungsarbeit. Das neue Layout des eigenen Profils ermöglicht es, durch einen Zeitstrahl zurück in eigenen Statusupdates und protokollierte Microhandlungen zu blättern, die man sonst schon längst vergessen hätte. Nicht jeder Like oder Check-In ist erinnerungsträchtig. Oder gerade dadurch eben doch? Es kommt drauf an. Meine Memolane ist vermutlich nur für ich interessant. An unterschiedliche grafische Aufbereitungen unseres digitalen Handelns werden wir uns mehr und mehr gewöhnen. Das wird alles noch viel schlimmer. Ein Grund, das eigene Erinnern nicht alleine den Automaten und Feeds zu überlassen, sondern doch auch wieder öfter die Sache selber in die Hand zu nehmen und ein paar Zeilen zu schreiben.

Derart selbstreferenzielles Bloggedöns klingt inzwischen beinahe wie ein offline Tagebuchschreiber, der sich wehrt, ins Internet zu schreiben… Aber ach, wem erzähl ich das.

Über den Autor

Hallo, ich heiße Tillmann Allmer und arbeite als Digital Stratege in einer globalen Kommunikationsagentur. Ich bin Vater von zwei Kindern und lebe mit meiner Familie in Berlin. Pro2koll.de ist mein persönliches Blog über Alltagsbeobachtungen und daraus resultierender Inspiration. Folge mir auf Twitter unter @tristessedeluxe oder werde Fan von Pro2koll.de auf Facebook, um keine Updates zu verpassen. Mehr über dieses Blog steht hier.

2 Kommentare

  1. Lieber Tillmann,

    Wie man sein Leben, seine Timeline darstellt oder wie sie von den sozialen Netzwerken immer mal wieder anders dargestellt wird – interessantes Thema.
    Wie und worüber jeder bloggt, sollte wirklich jedem das Seine sein. Es ist so subjektiv und jedes Thema, jedes Blog hat seine Daseinsberechtigung. Jeder hat irgendwo seine Leser – oder auch nicht. Manche schreiben nur für sich, des Schreibens wegen und benötigen gar kein Publikum. Ihr Werk ist doch dadurch nicht minder wertvoll.

    Übrigens mag ich die Darstellung von Memolane. Hab da auch länger schon einen Account.

    LG, Romy
    @snoopsmaus

  2. Pingback: aufsehen

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: