Kein Alkohol. Die ersten 14 Tage.

Dienstag, 27.12.2011
In der Nacht nach den Weihnachtsfeiertagen entschließe ich mich, keinen Alkohol mehr zu trinken. Zumindest für eine gewisse Zeit. Drei-Vier Wochen fasten vielleicht. Oder nennen wir es besser bewusste Abstinenz. Der erste Tag läuft super. Ich erzähle niemandem von meiner Entscheidung. Als ich zum Abendessen gefragt werde, ob Bier oder Wein, sage ich einfach, dass ich heute kein Alkohol trinken möchte und mache mir eine Saftschorle.

Mittwoch, 28.12.2011
Lange Zugreise mit den Kindern von Westdeutschland zurück nach Berlin. Nach all dem Koffergeschleppe und den Reisestrapazen an sich wäre eigentlich eine Flasche Bier am Abend auf dem Sofa nicht unangebracht. Mir fällt auf, wie viele vermeintlich gute Gelegenheiten es gibt.

Donnerstag, 29.12.2011
Habe meine Entscheidung, eine zeitlang auf Alkohol zu verzichten, immer noch nicht bekannt gegeben. Aber heute habe ich mein Coming Out. Während eines Smalltalks mit der Nachbarin auf dem Treppenabsatz, während sie uns ein Pony schenkt, kommen wir auf Silvester zu sprechen und was wir so planen und machen werden. Da erzähle ich auch, das ich Silvester und überhaupt ein paar Wochen nichts trinken werde und sie sagt, dass das ja durchaus auch mal Sinn macht, man dann auch viel ausgeruhter ist, es ja auch andauernd Gelegenheiten gibt und man ja so auch mal ganz bewusst mit der Gewohnheit bricht und dass das toll sei und ich alles richtig mache. Der letze Hinweis irritiert mich. Ich sage, „ach naja, man weiss ja nie, was richtig ist“. Dann widme ich mich den Rest des Nachmittags dem Pony. Abends dann nach einer Woche Weihnachten bei der Familie endlich wieder unter normale Menschen: erst zur 0. Spackeriade, dann eventuell noch beim Chaos Communication Congress vorbei. Ich halte mich an Kaffee, Mate und alkoholfreiem Bier fest. Dem einen oder anderem erzähle ich auf Nachfrage, dass ich jetzt mal keinen Alkohol trinke. Das gibt aber deswegen kaum Diskussion. Hat da ja jeder so seinen kritisch-individuellen Hacker-Lebenstil. Kann ja jeder machen wie er will. Doch eine Sache irritiert. Jemand, den ich vom Biertrinken mit Michi kenne, prophezeit eine lange Nacht, als er mich sieht. Vermutlich ist das nett oder gar anerkennend gemeint. Hadere mit Selbstbild und Fremdbild. Es wird eine Nacht, in der ich nüchtern nach Hause fahre und mich über die quatschigen Dialoge der betrunkenen Zehelndorfkinder im Nachtbus amüsiere.

Freitag, 30.12.2011
Irgendwas mit Saftschorle. Das kann so nicht weitergehen. Ich muss mich bei Gelegenheit mal um irgendwie interessantere nichtalkoholische Getränke kümmern.

Samstag, 31.12.2011
Silvester ohne Alkohol? Klar geht das! Na gut, ein Glas Sekt um Mitternacht zum Anstoßen, man ist ja kein Unmensch. Gespräch über Alkoholabstinenz am Tisch bekommt interessanten Spin. Alle erzählen, in welchen Situationen sie trinken, dass es viel zu viele Gelegenheiten und gesellschaftliche Rituale rund um Alkohol gibt und ja auch gerade, wenn man am Theater arbeitet.

Sonntag, 1.1.2012
Neujahr. Interessant zu merken, was von einem üblichen Kater übrig bleibt, wenn man zwar nüchtern, aber übermüdet ist. Einige angenehme Nachwirkungen einer langen Nacht, die ich dem Alkohol zugeschrieben hatte, liegen eigentlich an euphorisierter Müdigkeit. Das muss ich mir merken.

Montag, 2.1.2012
Erster Arbeitstag im neuen Jahr. Das Feierabendbier fehlt mir. Eine blöde Angewohnheit, die eher ein Automatismus ist. Um stattdessen in einen Feierabendmodus zu kommen, stehe ich 5 Minuten auf dem Balkon und atme mal durch.

Dienstag, 3.1.2012
Auf dem Rückweg von der Arbeit freue ich mich, dass ich nun 14 Tage keinen Alkohol getrunken habe. Auf dem Rad bereite ich in Gedanken schon einen lustigen Blogpost dazu vor. Als ich zu Hause den Computer anschalte und in den Kalender schaue, merke ich, dass ja erst eine Woche rum ist. Bin verwundert, warum mir das so lange vorkam.

Mittwoch, 4.1.2012
Kann kein alkoholfreies Bier mehr sehen.

Donnerstag, 5.1.2012
Überlege, ob ich eigentlich besser schlafe, seitdem ich keinen Alkohol mehr trinke. Schwer zu sagen. Vielleicht bin ich ein klitzekleines bisschen weniger miesepetrig am Morgen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich einfach früher ins Bett gehe.

Freitag, 6.1.2012
Treffe einen Freund. Wir richten seinen neuen Rechner ein und trinken Tee. Es ist ein Leben auf der Überholspur.

Samstag, 7.1.2012
Es gibt zum Abendessen sehr leckeres Lammfleisch, zu dem eigentlich ein guter Rotwein perfekt wäre. Bin kurz davor, mir auch ein Glas einzuschenken, bin dann aber doch willensstark. Es ist merkwürdig: Sobald ich mich bewusst gegen den Alkohol entschieden habe, fokussieren sich mein Gedanken auf etwas anderes und das Verlangen ist weg. Reine Willens- und Kopfsache oder doch auch sanfte Sucht?

Sonntag, 8.1.2012
Michi schickt am Abend eine DM, ob Bier? Ach, ich hätte schon Lust, mit Michi ein Bier zu trinken. Das bleibt ja aber nie bei einem Bier, also gehe ich früh mit Comicbuch und Orangensaft ins Bett. Wecker klingelt versehentlich schon um 5 Uhr morgens. Lese Comic zu Ende, fühle mich sehr ausgeschlafen.

Montag, 9.1.2012
Werde am Abend – statt zum Webmontag – spontan zu einer „Weinprobe“ im Martin Gropius Bau mitgenommen. Befürchte, dass eine Weinprobe ja nun der wirklich falscheste Ort ist, um Alkoholabstinenz zu üben. Denke aber auch, bei einer richtigen Weinprobe gibt es Näpfe, um den Wein auszuspucken. Wer sagt, dass ich bei meiner selbstgebauten Fastenzeit nicht kosten darf. Schmecken ja, aber nicht schlucken! Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Event um eine Finissage handelt, zu der unter anderem zwei Weine vom Großhandels-Sponsor der gefeierten Ausstellung gereicht werden. Keine Weinprobe, wie man sich das so vorstellt. Trinke ungefähr 2 Liter Apfelsaft. Beobachte Politiker und Kulturattachés beim Sponsorenweintrinken. Denke mir meinen Teil. Gehe zeitig nach Hause.

Dienstag, 10.1.2012
Nun sind also die ersten 14 Tage vergangen. Ich notiere mir hier ein paar persönliche Eindrücke, die vermutlich vollkommen banal oder normal sind. So normal, wie der (sanfte) Alkoholismus unsere gesamte Gesellschaft durchzieht. Ich glaube, es liegt weniger an den Freunden, mit denen man sich umgibt. Es ist vielschichtiger und es liegt an all den gesellschaftlichen Ritualen und letztendlich an unserer Kultur. Ich muss auch an einen Kumpel denken, der nach einem halben Jahr Indien zurückkam und auch keinen Alkohol mehr trank. Mir kam das damals fast undenkbar vor. Heute ist es für mich tatsächlich gar nicht so ein großer Verzicht. Es ist ein bewusster Perspektivwechsel und ich bin gespannt, ob da in den kommenden 14 Tagen noch weitere Erkenntnisse hinzu kommen.

Über den Autor

Hallo, ich heiße Tillmann Allmer und arbeite als Digital Stratege in einer globalen Kommunikationsagentur. Ich bin Vater von zwei Kindern und lebe mit meiner Familie in Berlin. Pro2koll.de ist mein persönliches Blog über Alltagsbeobachtungen und daraus resultierender Inspiration. Folge mir auf Twitter unter @tristessedeluxe oder werde Fan von Pro2koll.de auf Facebook, um keine Updates zu verpassen. Mehr über dieses Blog steht hier.

111 Kommentare

  1. Ui, interessanter Beitrag. Cool, dass du das machst und drüber schreibst. Vor allem die Reflektion, warum man eigentlich fast immer trinkt, wenn man abends unterwegs ist, ist halt so. Passt halt so gut. Und das Feierabendbier oder der Wein zuhause, gemütlich.

    Bin gespannt, wie es dir weiter damit ergeht. Natürlich habe ich auch noch eine Empfehlung: Alkoholfreies Weizenbier (Weisse und Dunkle Weisse) von Lammsbräu. Das schmeckt super!

  2. Sehr gut. Es gibt ja diesen Wunsch nach Souveränität gibt: Ich hab das im Griff, ich verfalle nicht den Ritualen, ich kann selbst bestimmen, wann ich trinke. Wir kennen alle die Gelegenheiten, wo das nicht klappt. Da tut dann der Kopf weh.

    Am besten gefällt mir dieser Satz: „Auf dem Rückweg von der Arbeit freue ich mich, dass ich nun 14 Tage keinen Alkohol getrunken habe. (…) Als ich zu Hause den Computer anschalte und in den Kalender schaue, merke ich, dass ja erst eine Woche rum ist.“

    Bitte weiter berichten!

  3. Ich finde irgendwie seltsam, dass dir überhaupt so deutlich auffällt, dass du momentan keinen Alkohol trinkst. Also ich bin schon gerne angetrunken auf Partys und so, aber wenn ich so deutlich merken würde, dass ich nen Monat lang nüchtern war, würde mir das bisschen Sorgen bereiten.

  4. Ich trinke seit ca. 3 Jahren bewusst keinen Alkohol mehr. Sollte es nicht zu denken geben, wenn sowas an die große Glocke gehängt wird, als waäre es sonst was für ein Opfer was man damit bringt. Da sollte man eher darüber nachdenken ob man vorher schon auf dem Weg zum Alkoholiker war. Ich habe nach meiner bewußten Entscheidung niemals den alkohol vermisst und es auch nie an die große glcoke gehängt. Ist irgendwie irritierend den Bericht zu lesen. Alkoholikerland Deutschland?

  5. Was mir persönlich als sehr wenig Alkoholtrinker (über das Jahr gerechnet vielleicht 2-4 Gläser Bier und 1-2 Gläser Wein/Sekt, wenn überhaupt) auffällt: Man muss sich in der Gesellschaft schon des öfteren geradezu rechtfertigen, wenn mein kein Alkohol möchte („Wieso trinkst Du nicht?“).

    Seltsam eigentlich… hat die Gesellschaft in der Tat ein Alkoholproblem?

    • Genau dieser Satz „Wieso trinkst du nicht?“ treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn.
      Als nun bald „aufgerundet-30-Jähriger“ habe ich in meinem Leben bislang zweimal Alkohol probiert und es aber bald komplett gelassen.
      Das erste, das nach der oben genannten Frage kommt, ist, ob man Leistungssportler sei (manche tippen im Geheimen vllt. eher auf trockener Alkoholiker, sagen es aber nicht ;).
      Ist es denn wirklich so unnormal, wenn man keinen Alkohol trinkt?
      Ich bin ein sehr geselliger Mensch und brauche Abends keinen Alkohol, um gut drauf zu sein. Trotzdem werde ich (von Leuten, die mich weniger kennen und die ich sicherlich nicht meine Freunde nenne) als erstes mit der „Charaktereigenschaft“ Anti-Alkoholiker beschrieben.
      Ich war lange Zeit Mitglied in einem Musikverein. Da wurde ich behandelt wie ein Alien, weil ich mit 15 (!) Jahren kein Bier trinken wollte…
      Inwzischen antworte ich auf die eingangs erwähnte Frage mit „Warum trinkst du denn?“… führt meist zu Erklärungsnot (Niemand kann mir ernsthaft erzählen, dass ihm Bier von Anfang an geschmeckt hat, es ist eben „gesellschaftliche Konvention“ es zu trinken. Dem Wein stünde ich da prinzipiell aufgeschlossener gegenüber;)

      • Vorneweg: Ich gestehe ein, ich trinke gerne Alkohol. Ich trinke ungerne Spirituosen, weil diese mir in der Regel einfach zu stark sind (= nicht schmecken), und auch keinen Wein – schlicht weil ich den auch nicht mag (mit ein paar Ausnahmen auch hier, aber generell – ich mag keinen Wein), sondern fast ausschließlich Bier. Und hier muss ich widersprechen: Es hat mir von Anfang an geschmeckt. Aber ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass ich Bier ausschließlich des Geschmackes wegen trinke (das ist Unsinn, und das weiß ich auch) – schmecken tut es aber trotzdem :)

        Wie auch immer, mein eigentlicher Punkt:
        Ich kann das exakt so bestätigen. Ich habe auch zwei/drei Freunde, die keinen Alkohol (mehr) trinken – das hat unterschiedliche Gründe, aber der Konsenz ist:
        Du stehst in öffentlicher Gesellschaft erst einmal als Außenseiter da.
        Nun mag das in jungen Jahren vermutlich stärker ausgeprägt sein (23 bin ich), aber auch in älterer Gesellschaft fallen Leute, die keinen Alkohol trinken, auf. Sofort. Nicht, weil diese sich pér sé anders verhalten, sondern weil die Gesellschaft sie anders behandelt. Es ist ein merkwürdiges Spielchen – insgeheim glaube ich aber, dass die meisten Menschen, die dir mit der Frage begegnen „Warum trinkst du nicht?“ eine Antwort erwarten in die Richtung „Ich bin Leistungssportler“, „Ich muss noch fahren“, „Ich habe Grund X aus meinem Leben dafür“. Sie erwarten diese Antwort nicht, weil sie dir auf die Füße treten wollen, sondern weil sie sich selber mittellos fühlen. Wer Alkohol getrunken hat, weiß dass er schlecht für die eigene Person ist. Das merkt man fast immanent, spätestens aber am nächsten Morgen – der Körper sagt eindeutig Bescheid, dass es ihm nicht gefällt, was da mit ihm getrieben wurde – dennoch trinken die Menschen weiter. Die Frage die sich stellt, ist „warum trinken diese Menschen“- da der Großteil der Gesellschaft allerdings trinkt, stellt sich „diesen Menschen“ diese Frage nicht, sondern nur genau andersherum – für sie ist das die Norm. Und du weichst davon ab. Also musst du dafür einen Grund haben. Und den wollen sie wissen, bzw. um es besser zu treffen: Sie glauben, dass sie den Grund bereits kennen. Denn: Jemand der nicht trinkt, braucht einen Grund dafür. Jemand der trinkt jedoch nicht. Und, das Wichtigste: Wenn jemand nicht trinkt und einen Grund dafür hat, dann kann im ersten Moment immer nur ein „temporärer Grund“ oder aber „besondere Lebensumstände“ in Frage kommen. Niemand der trinkt, sich also in der Norm sieht, kann sich auch nur vorstellen, dass jemand halt einfach nicht trinkt, weil er nicht möchte.

        Das Ganze siehst du auch immer vergleichsweise bei Vegetarierern – und hier schließe ich mich selbst nicht aus. Ich frage auch jeden Vegetarier, den ich treffe: „Warum ist du kein Fleisch?“ Es ist überhaupt gar keine relevante Frage, warum sollte es mich interessieren, was irgendjemand für Ernährungsentscheidungen aus welchen Gründen trifft? Welche Relevanz sehe ich in dieser Frage? Keine. Dennoch stelle ich sie jedes mal.

        Was ich sagen möchte:
        Lasst euch durch diese Fragen doch nicht auf die Palme bringen. Gesellschaftlich betrachtet ist Abstinenz eine Ausnahme, eine Besonderheit, eine Abweichung der Norm – deshalb kommen die Fragen.
        Gsellschaftlich betrachtet hat Deutschland (bei Weitem nicht alleine) ein Problem mit dem Alkohol, da stimme ich in jedem Fall zu – und dadurch entstehen auch diese Fragen.

    • Würde ich genau so unterschreiben. Ich muss sogar in Szenen, in denen sich die Menschen als „besonders reflektiert und laissez-faire“ erachten, ständig begründen müssen, warum ich keinen Alkohol trinke. Ist schon extrem lästig!

  6. Wünsch Dir weiter viel Durchhaltevermögen! Ich habe auch an Silvester beschlossen alkoholtechnisch eine Zeit lang abstinent zu leben. Bisher geht das alles wirklich noch sehr gut, aber die ersten Geburtstage, Feiern und Anlässe stehen erst noch an. Konkretes Ziel habe ich erstmal keines. Mal schaun wie lange ich standhaft bleibe. Ich werd auf jeden Fall öfter hier reinschauen, vielleicht erkenn ich mich ja auch immer wieder :)

  7. Super Text! Und spricht mir aus der Seele. Ich habe mich nach feuchtfröhlicher Teenagerzeit entschlossen keinen Alkohol mehr zu trinken. Und zwar zur Gänze (also keinen Sekt zum Anstoßen). Viele der Gedankengänge, die du beschreibst, kenne ich gut.
    Selbst jetzt – einige Jährchen später – überlege ich hin und wieder auf der einen oder anderen Party immer noch, ob diejenigen mit den roten Wangen und dem etwas zu lauten Lachen nicht vielleicht doch mehr Spaß haben als ich.
    Was mich wundert, ist die große Akzeptanz deines Umfelds. Vielleicht liegt das in der zeitlichen Begrenzung. Ich muss heute noch viele unfreiwillige Diskussionen über mich ergehen lassen, ob ein Leben ohne Alkohol überhaupt lebenswert ist. Ist es übringens!
    (Nur seid ich aufgehört habe zu rauchen, habe ich beschlossen niemals Vegetarier zu werden – irgendein Laster braucht der Mensch)
    Ich denke jeder sollte mal so eine Phase mitmachen, um sich selbst mal zu überprüfen. Also, Hut ab!

    • ingallina,
      an deiner stelle würde ich mich eher fragen, ob die mit den roten nasen nicht einfach nur primitiv sind und keine klasse/stil haben?

  8. Moin.. cooler Bericht aber ich glaube, ich steige nicht hinter das Problem. ^^ Ich trinke seit 12 Jahren keinen Alkohol mehr (eine Ausnahme: Meine Hochzeit, aber selbst da hätte ich noch fahren können).. und mir ist noch nie aufgefallen, dass mir was fehlt. Irgendwann hat es auch meine Umwelt akzeptiert. ;)

  9. ich hab das auch schon zweimal gemacht, jeweils von aschermittwoch bis ostern. man bekommt (gerade, wenn man, wie ich, student ist – beim ersten mal habe ich in meiner heimat(klein)stadt praktikum gemacht, und war eh meist mit dem auto unterwegs, da ist es in der regel nicht mal aufgefallen) zwar häufiger mal ungläubige oder belächelnde blicke, aber eigentlich ist es ganz cool, sowas zu machen.

    ich denke, dieses jahr ist es dann auch mal wieder so weit bei mir.

  10. Da ich früher mit Suchtpatienten in einer Klinik zu tun hatte, kann man dir nur raten: halte es mal mindestens ein halbes Jahr durch. Du hast echte Suchtanzeichen, soweit man das aus deinen Texten entnehmen kann.

    Bei Sucht geht es nicht so sehr um die Mengen, sondern eben um die Gewohnheit, die man nicht so leicht brechen kann.

    Da ich schon als Jugendlicher meine Klassenkameraden nicht verstanden habe, die eigentlich nur auf das Wochenende hinfieberten, um sich auf einer Party ordentlich zu besaufen, damit die Hemmungen fallen und man mit irgendjemanden in der Kiste landet, hatte ich mir schon damals angewöhnt, nach einem Tag mit etwas mehr Alkohol, mindestens eine Woche Abstinenz zu üben. Wenn mir etwas klar war: ich mache mich nicht abhängig, weder von Alkohol, noch von anderen Drogen wie Koffein oder Nikotin.

    Meine Erfahrungen im Krankenhaus haben mich dann darin bestärkt. Leuten beim Durchleben des Diliriums beizustehen macht nun wirklich keinen Spaß.

    Ergo: pass auf! Auch ein geringer regelmäßiger Alkoholkonsum kann zum Alkoholiker machen.

  11. Schön zu lesen, dass es auch „Ausstiegsversuche“ gibt!
    Ich habe noch nie Alkohol zu mir genommen (naja – einmal vergorener Apfelsaft ^^). Kein religiöser Hintergrund – einfach nie Appetit (kann man das so nennen?!) verspürt.
    Und nein, ich bin nicht einsam, sondern kann auf einen großen Freundeskreis blicken, in dem alle Verständnis dafür haben.
    Ich bin auch kein Missionar – ich habe ein großes Weinregal und wenn ein Bier gewünscht wird, habe ich immer was da für die Gäste :)
    Alkohol zerstört soviel und kostet die Gesellschaft derart viel Geld… aber als Individuum wird man nie gegen die traditionelle Verankerung des Alkohols in Europa ankommen.
    Dann lieber Verzicht für sich selbst und schmunzeln (manchmal auch Kopfschütteln) über andere.

    P.S.: Falls du den „Entzug“ mit positivem Ergebnis abschliesst, empfehle ich für das nächste Experiment den Verzicht auf Kaffee – man glaubt gar nicht, wie dieses Getränk einen verarscht :D

  12. Hallo,

    ich bin seit fast 26 jahren freiwilliger Abstinenzler (Hatte mir mit 17 mal so die Kante gegeben (Zum Ersten Mal) das ich schwor nie wieder Alkohol anzufassen). In der ersten Zeit ist es eine Verwunderung der anderen der man sich stellen muß. Mit Erklärungen und allem. Während dieser Zeit wurde ich „professioneller“ und mußte darauf achten die Lebensmittel zu verbannen die Alkohol enthalten (MonCherie,…..). Dann kommen immer mal so Augenblicke wo man mit Menschen feiert die einen nicht kennen und die sich wundern warum nicht. Aus der Erklärung dann kommen Reaktionen von Kopfschütteln bis hin zu Ja Klasse. Was bei mir auch durchkam war, sich über Betrunkene ein wenig zu amüsieren. So dem Motto „Bist du blöd; laß es doch einfach wenn es nicht verträgst“. Kann immer noch nicht verstehen das Menschen (auch in meiner näheren Umgebung) sich immer wieder vollaufen lassen obwohl sie wissen das es ihnen nicht guttut. Und bei den normal Trinkenden (zum Essen) zeigt man damit auf das es alternativen gibt die sehr wohl gut zum Essen passen und es wiederum überflüssig ist auch beim Essen Alkohol zu trinken. Man braucht keinen Alkohol im Leben.

  13. Was einem nicht so alles aus der Feder läuft, wenn man nüchtern ist… Höchst langweiliger Beitrag zum Thema Alkohol. Womit man es heutzutage in die 6 vor 9 bei bildblog.de schafft. Überraschend. Kleiner Tipp an den Autor: Das mit dem Bier am Abend schleunigst wieder einführen.

  14. Ich muss dem letzten Poster zustimmen. Ich finde es nicht nur seltsam, sondern schon erbärmlich, den Verzicht auf Alkohol derart herausstellen zu müssen und als etwas besonderes zu empfinden. Aber gerade in Deinem Post gestern (10.1.) machst Du ja den notwendigen nächsten Schritt: Es ist weniger die Erbärmlichkeit des Einzelnen, als die der ganzen Gesellschaft, in der man schon deutlich auffällt und sich mitunter rechtfertigen muss, wenn man sich am kollektiven Drogenkonsum nicht beteiligen möchte.

  15. Frage mich gerade, wieso dieser Artikel aufs BILDBlog verlinkt ist……
    Weil Du „was mit Medien“ machst?

    Lieber Tillmann,
    Aus Deinen „einigen“ Wochen sollte es „für immer“ werden. Deine Schilderungen mit Adjektiven wie willensstark und bewusst gegen lassen schon auf eine Abhängigkeit schließen.
    Und hast Du Dich noch nie gefragt wie attraktiv Bierfahnen an jedem Feierabend sind? Und welches Vorbild Du Deinen Kindern gibst?

    @Ingalina
    Nein, die Menschen mit den hochroten Wangen und zu lauter Stimme haben nicht mehr Spaß auf den Parties. Dafür wir ohne Alk viel länger, während andere ja schon dem weißen Gott Klo opfern!

  16. Hallo,

    danke für den Bericht. Gerade das Resümee, dass Alkohol ein fester Bestandteil unserer Kultur und gesellschaftlicher Rituale ist, kann ich nur unterstreichen. Ich selbst trinke wenig Alkohol, schlicht weil mir die meisten alkoholischen Getränke nicht schmecken, und muss mich dafür ständig rechtfertigen (oder mir gelegentlich dumme Kommentare anhören). Ein anderes Beispiel sind Diskussionen um Alkoholverbote im ÖPNV, bei denen garantiert das Argument „Wieso wollen wir schwer Arbeitenden das Feierabendbier verbieten?“ kommt.

    Eine Frage habe ich aber doch: Sind in alkoholfreiem Bier nicht Restmengen von Alkohol enthalten?

    Wie dem auch sei, auf jeden Fall viel Erfolg bei der Fortführung des Experiments!

    @ Benni

    Ich habe im April letzten Jahres auch mal drei Wochen ohne Internet gelebt, und rückblickend war es ganz angenehm – ich habe ein dickes Buch ausgelesen, und wenn ich mal in Internetcafés war, bewusst darüber nachgedacht, was ich nun für Mails schreibe oder nachsehe.

  17. Ginger Ale mit frischem Ingwer geht, sowie die B1onad3, vor allem die Kräuter, wenn mensch keine Saftschorle mehr sehen kann.
    Ansonsten hilft Wasser als bevorzugtes Getränk. Den intensiven Gechmack der Schorlen erträgt kein Mensch auf Dauer

    P.S:: vorherigen Beitrag habe ich zu früh abgeschickt

  18. Hey,

    ich habe jetzt nach 6 Wochen freiwilliger Abstinenz auf Alkohol nur (1 mal) am Wochende umgestellt und das GEHT!
    … hätte ich aber früher auch nicht gedacht.

    Grüße
    Elwiegaldo

  19. Ich weiß nicht ob das an diesem Berliner-Medien-Milieu liegt, aber auch ich finde diese Darstellung von 14 Tagen Alkoholabstinenz als etwas spektakulärem höchst befremdlich. Ich trinke in entsprechenden Gelegenheiten gerne Alkohol, aber just for fun und „bräuchte“ es jetzt nicht unbedingt (je schlechter die Party, desto eher).
    Dass man ein Bier „braucht“ um sich in Feierabendstimmung (mir reicht da der Feierabend an sich..) zu bringen halte ich für grotesk und vielleicht schon ein erstes Suchtanzeichen, ebenso dass man einem Freund, der ein Bier trinken will, absagt, anstatt sich mit ihm zu treffen, zu quatschen, ihm sein Bier zu lassen und sich mit was alkoholfreiem zu begnügen (weil ich im Normalfall Kalorien in Essen deutlich besser investiert sehe als in Getränken, trinke ich die meiste Zeit Wasser und ungezuckerte Tees, und *dann* ist eine Apfelschorle oder Spezi zwischendurch alles andere als langweilig ;) ).
    Ich habe jedenfalls sicher auch schon mal 14 Tage und länger keinen Alkohol getrunken, völlig unbewusst und ohne dass ich es gemerkt habe, einfach weil sich in der Zeit keine Gelegenheit ergab, und ich bin bei weitem kein Abstinenzler.. und ich habe irgendwie so die naive Hoffnung, dass das deutlich normaler ist als Deine Schilderung…

  20. Junge, falls es dir wirklich so schwer fällt auf Alkohol zu verzichten, wie du hier schreibst (und uns nicht nur verscheißerst), muss ich dir sagen: Du hast deutliche Anzeichen von Suchtverhalten, Alter. Vielleicht mal ein Jahr Pause vom Saufen machen? Ich bin der Letzte, der was gegen Alkohol hat, aber wenn es dir dermaßen schwerfällt, auch nur auf das Feierabendbier zu verzichten… Man wird eine Alkoholsucht echt sauschwer wieder los…

  21. Ich (weiblich, Mitte 20) trinke seit ein paar Jahren aus gesundheitlichen Gründen keinen Alkohol mehr. Das ist für mich aber keine große Umstellung gewesen, da ich auch vorher nur wenig Alkohol getrunken habe.

    Die Menschen in meinem Freundeskreis wissen Bescheid, da gab es auch keine großen Diskussionen.

    Bei Fremden sieht das etwas anders aus: Es wird nicht einfach wortlos akzeptiert, dass ich keinen Alkohol trinke, ich muss mich dafür regelmäßig rechtfertigen.

    Meine Erfahrung hat gezeigt: Die einzigen halbwegs akzeptablen Gründe für Abstinenz scheinen eine bestehende Schwangerschaft (ist je-des-mal die allererste Frage) und die Einnahme von Medikamenten zu sein. Allerdings müssen es schon mindestens Antibiotika sein, eine langweilige Kopfschmerztablette scheint nicht zu zählen… Auch das Auto, das irgendwie nach der Party mit nach Hause muss, ist keine passable Ausrede, weil so zwei, drei Bierchen könne man da ja trotzdem trinken.

    Besonders „beeindruckt“ hat mich allerdings die Frage, warum ich überhaupt noch feiern gehe, wenn ich doch eh keinen Alkohol trinke.

    Erschreckend.

  22. habe in meinen „30er“-Jahren immer wieder mal kürzere und längere Abstinenzphasen eingelegt (2 Wochen bis 6 Monate), bis ich vor gut 4 Jahren endgültig(?) aufgehört habe.
    Ich meine, alkfreies Bier u.ä. bringt gar nichts, weil es einen immer wieder an den Geschmack erinnert; ich habe als „Alltags-Ersatz-Getränk“, das für Feierabend usw steht, Schokobuttermilch entdeckt (da hat jeder seine eigenen Vorlieben). Nach einier Zeit hören die Fragereien der Umwelt auf.
    manche sozialen Kontakte leiden tatsächlich darunter, dafür wird der Schlaf wesentlich besser und die Morgenübelkeit ist weg.
    Ohne Alkohol fehlt einem genauso wenig wie ohne Zigaretten oder ein Loch im Kopf.

  23. Ich traue grundsätzlich keinen Leuten, die auf Partys keinen Alkohol trinken – mal ausgenommen, sie sind die Fahrer oder sonstige arme Schweine. Witzig finde ich auch, dass sich Nicht-Trinker darüber wundern, warum sie auf das Nicht-Trinken angesprochen werden.
    Wenn sich ein Raum voller Menschen langsam aber stetig betrinkt und sich damit auf eine nächste Ebene bringt, stört es halt, wenn da welche sind, die das nicht tun. Wer Alkohol trinkt, wird halt verhaltensauffällig (enthemmt, albern) und dementsprechend möchte man diesem Zustand auch mit Gleichgesinnten verbringen.
    Nicht-Trinker auf Partys sind wie Nicht-Verkleidete auf Faschingsbällen – das mag jetzt nicht fair sein, ist halt aber so.

    • „Nicht-Trinker auf Partys sind wie Nicht-Verkleidete auf Faschingsbällen – das mag jetzt nicht fair sein, ist halt aber so.“

      Das mag wohl sein. Aber glaubst du nicht, dass das Ganze nicht eher ein gesellschaftliches Problem ist, dass die meisten Menschen offensichtlich bereits emotional solche Krüppel sind, dass sie es nicht schaffen, ohne Hilfsmittel aus sich heraus zu gehen? Denk mal drüber nach.

    • @augustiner
      Das ist eine dieser bescheuerten Trinker-Aussagen. Mich macht Tanzen und Quatschen genauso high, als wenn ich Alkohol trinken würde. Problematisch sind auf den Feten ja nicht die fröhlichen, sondern die agressiven Leute (so ca. 30%) und diejenigen, die vorm Ausgehen schon mal „vorglühen“!

      Und es geht hier ja auch nicht um das Saufen auf Festen und Feten. Es geht um die tägliche Begegnung mit dem Alkohol – Feierabendbierchen, schicke Essen gehen mit Aperitif und Wein und Zusammensitzen mit Freunden und Schäppsken!

    • Schade, dass du nur mit Alkohol Spaß haben kannst. Der Freud in mir sagt mir, dass du damit auf Partys deine Minderwertigkeitskomplexe kompensieren möchtest. Ansonsten klingt dein Geschreibsel aiuch eher nach Abiturienten, der mal einen auf dicken Max machen muss.

  24. Was für ein trauriger Bericht, wenn man länger darüber nachdenkt: Jemand schreibt darüber, dass er eine (sehr kurze) Zeit lang keinen Alkohol trinkt. Was für ein bemitleidenswerter Mensch, der sich zwingen muss, eingefahrene, törichte Verhaltensweisen zu ändern (und ich bin sicher, das wird nur kurz währen).

    Ich trank 1 x mit 15, seitdem nichts mehr (seit 33 Jahren), habe es nie vermisst, und nur Sich-Besaufende stören sich daran.

    Ich war Fleischfresser par excellence, bin seit 10 Jahren Nichtfleischesser (ich mag das Wort Vegetarier nicht) mit deutlich mehr Vielfalt auf dem Teller, und nur Fleischfresser stören sich daran.

    Ich habe nie geraucht, und nur Raucher stören sich daran.

    Ich bin fit, schlank, habe volles, ungraues Haar, keinen Bauch (all das eher untypisch für 48) und bin glücklich langzeitliiert – somit voll zufrieden mit mir, zumal ich sehen darf, was Alkohol, Rauchen und Fleisch aus meinen Bekannten gemacht haben: mit Bierflasche versehen, dickbäuchige Grillmenschen. Aber das scheint ja das Endziel der meisten zu sein. Mir unbegreiflich, was manche aus dem einzigen Leben, das sie haben, machen (wollen).

    Keine Angst, ich bin in meinem gut durchmischten Umfeld kein „Militarist“ in meiner Abneigung ggü. Alk./Fleisch/etc.: Jeder darf machen, was er möchte, und das gern in meiner Gegenwart. Und ja, ich habe meine Laster, die zudem teuer sind. Aber die erlebe ich bewusst und nicht zugedröhnt.

    (Kommentar an mich lohnt sich nicht, da ich die Seite jetzt verlasse und nicht wiederkomme …)

    • Ich bin Mitte 20 und männlich, rauche nicht, trinke sehr wenig Alkohol und esse sehr wenig Fleisch. Das mit dem keinen dicken Bauch hat bei mir bisher geklappt, das mit dem vollen ungrauen Haar leider nicht, liegt wohl leider an den Genen… ;-)

  25. Na, sei froh, dass du männlicher Zeitgenosse bist. Bei Frauen kommen noch die üblichen dämlichen Fragen hinzu.

    Ich trinke generell keinen Alkohol, aus dem einfachen Grund, dass ich alkoholische Getränke geschmacklich einfach widerlich finde. Man kann sich denken, wie nach meiner ersten Betriebsfeier kurz nach der Einstellung die Gerüchteküche gebrodelt hat …

  26. Mach weiter so. Ich trinke schon seid über einem Jahr nur noch extrem selten Alkohol. Ich habe keinen Unterschied bemerkt. Außer das ich keinen Kater mehr habe und dadurch jede Menge Zeit gewinne, die ich sonst im Bett oder überm Klo verbracht habe. Das ist pro Suff meistens fast ein ganzer Tag.

    Alle Gespräche sind ohne Alkohol länger und man behält sich mehr. Und für verrückte Ideen und lustige Inhalte braucht man kein Alk, sondern einfach nur nen freien Kopf.

  27. Mache das seit ein paar Jahren immer den ganzen Januar lang.

    1.) Es ist deutlich interessanter, wenn man auch auf alkoholfreies Bier verzichtet. Dann fehlt der gewohnte Geschmack.

    2.) Ausnahmen sind Quatsch, finde ich. Silvester, Geburtstage, was auch immer in der Periode liegt: Keinen Tropfen und auch kein gleich schmeckendes Substitut! Es geht ja gerade darum, mal von der Konvention abzuweichen, sowohl für sich selbst als auch anderen gegenüber.

    3.) Es ist verblüffend, wie viel Diskussion immer um so eine triviale Sache entsteht.

    4.) Abstinenz kann in Freundeskreisen „ansteckend“ sein. (Zumindest, wenn es sich dabei um trinkfreudige Studenten handelt, die es auch mal probieren wollen.)

    5.) Küchenpsychologie: Wer sich vornimmt, für einen bestimmten Zeitraum auf eine Sache zu verzichten, hat oft ein Suchtproblem oder zumindest Sorge um seine Selbstbeherrschung. Wurde mir gesagt.

    6.) Ich habe als Folge des „Experiments“ meinen Konsum im restlichen Jahr insgesamt gesenkt, glaube ich. Finde das sozial und gesundheitlich begrüßenswert.

    7.) Bitte verwechselt diesen Kram nicht mit dem Kampf gegen Alkoholismus und den damit verbundenen Schicksalen! Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun. Sehr sehenswert (eher „hörenswert“) ist „Portraits deutscher Alkoholiker“, der vor ein paar Jahren auf der Berlinale lief.

    8.) Am ersten Abend „danach“ schmeckt ein Pils sehr gut. Kenne aber auch Leute, die nie mehr wieder angefangen haben.

  28. Moin!
    Schöner Artikel. Beim Lesen der Kommentare frage ich mich allerdings, ob es nur noch Abstinenzler bzw. Fast-Abstinenzler gibt, oder ob die einfach ein höheres Geltungsbedürfnis als „Trinker“ haben… ;-)

    Ich für meinen Teil mache seit ein paar Jahren den Januar über Alkoholpause. Das passt mir ganz gut: Ende Januar habe ich Geburtstag (der markiert das offizielle Ende der Abstinenz), und Sylvester nehme ich auch mit. :-)
    Zwischen den Jahren oder gar an Sylvester selbst würde es mir schon ziemlich schwer fallen, da sind einfach zu viele Gelegenheiten..

    Weiterhin viel Erfolg beim Selbstversuch!

    • Also in der Realität ist es doch so, dass man wenn man nichts trinkt (einfach weil man/frau nicht weil, nicht weil man trockener Suffi ist oder schwanger) immer dumm angemacht wird. Hier im Internet haben all die Nichttrinker endlich mal die Möglichkeit euch Suffis zu sagen was Phase ist.

      Ich persönlich hab genug von Leuten, die mir ins Gesicht sagen: KOMM TRINK MAL WAS DANN FINDEST DU UNS AUCH LUSTIG. (gesagt von einem LEHRERKOLLEGEN) Der Satz an sich ist krank, als wenn Nichttrinker etwas Minderwertiges wären.

      Wenn es nicht ständig diese ICH BIN BESSER ALS DUa Vergleiche geben würde diesbzgl. wäre es mir scheißegal ob jmd. Alkohol trinkt oder nicht.

  29. Vielleicht hab ich ja was Grundsätzliches nicht verstanden: Aber was ist eigentlich das Problem? Klar, kann man mal eine Weile auf das Feierabendbier verzichten. Aber man könnte auch genauso gut mal ein halbes Jahr keine Chips, Tomaten, Salzgurken oder Mohnbrötchen essen. Würde mir alles schwerfallen. Also: wenn der Alkohol nicht blöd, schnarchig oder dauerbesoffen macht spricht doch nichts dagegen. Mir sind die meisten Leute ohnehin viel zu asketisch mittlerweile.

  30. Achso: und die ständige Verwechslung hier zwischen Alkoholtrinken und Besaufen kommt mir doch etwas – äähm – tantig vor. Sagt man so?

  31. „In der Nacht vom Zweiten auf den Dritten Weihnachtsfeiertag entschließe ich mich, keinen Alkohol mehr zu trinken.“
    Wenn man von einem dritten Weihnachtsfeiertag fantasiert, den es gar nicht gibt, sollte man auf jeden Fall mit dem Trinken aufhören.

  32. Ich habe vor 5 Jahren mal in der Fastenzeit (das ist zwischen Aschermittwoch und Ostern;-) keinen Alkohol getrunken, weil ich (und meine Frau) wissen wollte, ob ich das überhaupt kann. Es ging – und viel mir auch nicht schwer.
    Seither mache ich das immer in der Fastenzeit und in der Trainingsphase für den Marathon. Und manchmal fällt mir auch so auf, dass die Bierkiste im Keller schon seit einem Viertel Jahr da steht.

  33. Ich reihe mich ein die Liste der erstaunten Gelegenheitstrinker – erstaunt deswegen, weil auch mir ein Verzicht auf Alkohol als Kleinigkeit vorkommt. Ich trinke gelegentlich, selten bis zur Trunkenheit, und wo ich jetzt Revue gehalten habe, ca. 5 Standardgläser im Monat. Hier ein Glas Sekt, da ein Glas Wein. Und oft wochenlang am Stück überhaupt nichts, aber das ist mir erst jetzt aufgefallen. Kurzum, Alkohol ist für mich wie Kaviar: Ich nehme gern was auf Partys und Gelegenheiten, denke aber nicht drüber nach, wenn es mal wochenlang nichts mehr gibt. Und ich komme auch nicht aus einer Moslemfamilie oder habe sonst wie ein Umfeld, das eine Besonderheit darstellen würde. Und auch auf Partys kommt es durchaus vor, dass ich mal keinen Alkohol trinken will (weil ich lieber die Cola hätte) oder darf (weil ich evtl. fahren muss), aber NOCH NIE habe ich das Gefühl gehabt, mich dafür rechtfertigen zu müssen. Weil ich einfach sage „Nein Danke, hätte lieber eine Cola“, und gut is. Kann es sein, dass Nachfragen bei anderen kommen, weil sie meinen betonen zu müssen, „keinen Alkohol“ zu trinken? Also ich sehe keinen gesellschaftlichen Zwang zum Alkoholismus, und zwei Wochen ohne Alkohol sind für mich nichts Erwähnenswertes, im Gegensatz zu meinen nun elf Tagen Saftfasten, die mich wirklich verändern und herausfordern.

  34. Guter Vorsatz und hoffentlich hältst du es länger durch, als nur 2 Wochen. Ich trinke jetzt seit über 5 Jahren keinen Alkohol mehr und ich merke immer wieder, wie wichtig in unserer Gesellschaft der Alkohol ist und wie weit verbreitet die Anlässe sind, um etwas zu trinken.

  35. Schon seltsam. Während rund um uns herum Währungsräume in Frage gestellt werde, Kriege geführt werden, Revolutionen stattfinden und auch hierzulande genug gesellschaftliche und politische Themen auf der Agenda stehen, interessieren sich immer mehr Menschen für Nahrung, Kindererziehung, Rauchenaufhören oder eben zeitweilige Alkoholabstinenz. Ist das nun der Rückzug ins private als Folge politisch-gesellschaftlicher Umbrüche?

    • Nach dieser Logik formuliert: Wie kannst du es wagen, deine Zeit damit zu verschwenden, auf Alkoholabstinenz-Blogeinträge zu antworten, während in anderen Teilen der Welt zeitgleich sig Kinder elendig verhungern?

      • Vielleicht weil ich demselben Reflex erliege und sowas hier leichter zu lesen finde als die Tageszeitung.
        Mein Beitrag war aber keine Kritik am Blogger, vielleicht vertue ich mich ja auch, aber ich habe nun mal das Gefühl, dass viele Menschen sich derzeit in ich-bezogene Themen-Nischen zurückziehen. Ob das überhaupt schlecht ist, weiß ich nicht.

  36. Wenn ich die Kommentare hier lese, habe ich fast das Gefühl, mich schämen zu müssen dafür, dass ich gelegentlich Alkohol trinke.
    Klar ist das „Gewohnheitstrinken“, wie z.B. mein nahezu wöchentlicher Fußballabend mit Kumpels ein Risikofaktor. Wer aber sein Feierabendbier (sofern das nicht gleich 4 Bier sind) trinkt, ist nicht von vornherein stark suchtgefährdet oder gar süchtig – da spielen noch ganz andere Faktoren mit hinein.
    Ich trinke gern in Gesellschaft das ein oder andere Bier, hartes Zeug kaum, außer es ist in Cocktails verpackt. Dem trinken bis zum kognitiven Exitus konnte ich noch nie etwas abgewinnen, auch wenn mir das in jungen Jahren auch einige Male passiert ist. Ich weiß, dass auf Feiern nach spätestens dem 5. Bier Schluss ist (meist verteilt auf 5-6h) und durchzechte Wochenenden meide ich auch.
    Zwischen diesen „Gelegenheiten“ trinke ich extrem selten, da kommt es auch schon vor, dass ich mal 3 Wochen keinen Alkohol zu mir nehme.
    Ich halte meinen Umgang mit Alkohol für verantwortungsbewusst. Ich propagiere ihn nicht, ermuntere andere nicht und respektiere Leute, die nix trinken wollen.

    Aber ich teile die Auffassung von Panama, dass der bewusste Verzicht auf Gewohnheiten schwieriger ist, als der unbewusste, der sich einfach durch „normalen“ Umgang mit etwas ergibt.

    Und anders als manche hier unterstelle ich dem Autor hier kein Suchtverhalten. Das sind die einfachen Probleme die man hat, wenn man aus Gewohnheiten ausbricht. So verhalten sich auch Leute, die liebgewonnene Hobbys aufgeben müssen, oder (wenn auch in anderer Form) einen sehr nahestehenden Freund/Angehörigen verlieren.

    Man sollte bei dem ganzen „SUCHT! DAS IST SUCHT!“-Geschrei auch mal die Kirche im Dorf lassen.

  37. Ehrlich gesagt finde ich es albern, bei Alkoholverzicht alkoholfr. Bier zu trinken. Das ist wie ein Neu-Vegetarier, dessen Tofu Bratwurstform haben muss. Btw. ist auch in Apfelsaft und alkoholfr. Bier fürgemein Restalkohol drinnen. Aber ganz konsequent bist Du ja ohnehin nicht. Trotzdem Respekt, da Du ja offenbar öfter was trinkst. Feierabendbier und so.

  38. Würde dich jetzt auch gern ein bißchen beschimpfen und mich über deinen 2-Wochenrekord lustig machen, aber eigentlich finde ich das gut.
    Auch das hier geschriebene, denn es ist angenehm lesbar und formschön.
    Ausserdem ist jeder entstehende Diskurs, der zu einem Bewußtwerden über Alkoholtrinkgewohnheiten führt, wohl in fast jedem Fall positiv.
    (Ein bißchen albern fand ich dann aber auch, sich nicht mit einem Freund zu treffen und sich ins Bett zu legen, weil man ja sowieso nichts trinken will, aber vielleicht erweitert sich der Horizont ja im weiteren Verlauf dieses Versuchs.)

    Trinke keinen Alkohol and don´t give a f***.

  39. Hallo,

    Kommentieren hier nur ( oder hauptsächlich) Männer? Ich hab jetzt 18 Monate ohne Alkohol hinter mir, wegen Schwangerschaft und Stillen. Für alle Frauen in meiner Umgebung ist das total normal! Also rechnet man mal pro Kind im Schnitt 1 Jahr ohne Alkohol (je nach dem wie lange man/frau stillt). Kommt man bei 3 Kindern locker auf insgesamt 3 Jahre „ohne“, und das gesellschaftlich akzeptiert! Jeder würde doch einer Schwangeren den Kopf waschen, wenn sie trink, auch beim kleinen Gläschen zum Anstoßen!

    Was soll die Diskussion der Männer? 2 Wochen sind doch ein Witz!

    • Die ganze Kommentraliste hindurch habe ich genau das gedacht! Danke fürs Aufschreiben.

      Ich bin jetzt seit 36 Wochen schwanger und habe natürlich auch keinerlei Alkohol getrunke in der Zeit. Da ich auf viele Alkoholsorten allergisch reagiere, habe ich vorher auch schon recht wenig getrunken – und dafür immer blöde Fragen und doofe Witze einstecken müssen. Ich hatte ständig den Eindruck, dass man in unserer Gesellschaft anscheinend nicht „einfach so und ohne Grund“ keinen Alkohol trinken darf.

    • Das hört sich jetzt ja fast so an, als gäbe es für Frauen nur den einen Grund keinen Alkohol zu trinken: Schwangerschaft.

      • Krebs ist auch ein guter Grund keinen Alkohol zu trinken. Bauchspeicheldrüsenkrebs kann man von saufen bekommen. Und bei Frauen erhöht sich dadurch auch das Brsutkrebsrisiko. Einfach mal danach googeln, das ging erst vor kurzem wieder durch die Medien.

  40. Oooh mein Gott!!!! Ich bin Alkoholiker – zumindest nach Meinung Vieler hier. Nein: Ich möchte nciht auf ein, zwei Bier mit Freunden, den guten Wein zum leckeren Essen verzichten.

    Ich missioniere allerdings auch nicht, frage nicht, warum jemand nichts trinkt – es sei denn, ein guter Freund trinkt von heute auf morgen plötzlich nichts mehr, was ja oft einen Grund hat. Und egal, wie der Grund ist, versuche ich sicherlich nicht, ihn zum trinken zu überreden.

    Ich trinke allerdings auch nicht jeden Abend ein „Feierabendbierchen“. Umso mehr freue ich mich darauf, den richtigen Wein zum Essen am Wochenende zu kaufen bzw. ihn aus dem Keller zu holen. Auch gegen ein Schnäpschen nach dem Essen habe ich nix.

    Und nun setze ich noch einen drauf: ICH RAUCHE MEIST AUCH NOCH NE VERDAUUNGSZIGARRE DAZU!

    Beides – den Alkohol und die Zigarre – genieße ich bewußt und mit Freude. Und das soll auch so bleiben.

  41. Etwas ab vom Thema möchte ich die hier mehrfach verbreitete Ansicht aufgreifen, dass zwei Wochen viel zu wenig sind und dass es ganz viele ganz dolle wichtigere Dinge gibt als selbstgewollten Alkoholentzug.

    Auch wenn dies in meinen Augen Dinge sind, die jeder für sich selbst entscheiden kann und sollte, ohne dafür von anderen angegangen zu werden, so hat der dahinterliegende Gedanke schon ein wenig Charme.

    Wenn im Internet endlich nur noch die wirklich dollen Leistungen erwähnt werden würden (so ab Nobelpreis aufwärts) und überhaupt nur Themen, bei denen jeder zustimmt, dass es sonst nichts wichtigeres auf der Welt gibt – dann wäre ich nicht mehr so abgelenkt, da das Internet dann endlich mal innerhalb von 2 Stunden ausgelesen wäre.

    Und am schönsten wäre es, dass mit konsequenter Anlegung dieses hehren Maßstabes auch diese ganzen Kommentare entfallen würden, die seine Anlegung einfordern.

    Darauf einen der Besten – oder einen anderen, den man gerade im Kühlschrank hat ;-).

  42. Pingback: Gelesen und gemerkt am 11.1.2012 « just another weblog :: fine bloggin' since 2001

  43. Viel Spaß bei deinem Experiment !

    Es ist erstaunlich, wieviele Leute hier mit der Wirkung des Alkohols argumentieren. Ich hatte eigentlich noch nie einen heftigen Rausch, trinke aber durchaus häufig Alkohol. Warum eigentlich ?

    Mir schmeckt Wasser nicht wirklich und die meisten Säfte und Limos sind mir zu süß. Bier ist schön herb und knallt nicht so rein, wie ein Wein. Außerdem gibt es da alkoholfreie Varianten. Sicherlich ist da eine gewisse Gewöhnung an den Geschmack dabei. Wenn ich was anbiete, biete ich eigentlich immer die gesamte Pallette mit Kaffee, Wasser, Saft, Limo, Bier, Wein usw. an, nehme also nicht an, dass Gäste bevorzugt Alkohol wünschen.

    Ich frage mich aber, warum es so vielen Leuten so wichtig ist, zu betonen, dass sie keinen Alkohol trinken. Das hat etwas Missionarisches, was mich an die Zeugen Jehovas erinnert.

    • Wer nicht deinen Lebensstil pflegt und das auch noch offen ausspricht ist Missionar? Aha? Und ich dachte immer, Meinungsaustausch wäre der Sinn solcher Kommentarfunktionen.

    • Trinke nicht, werde so oft gefragt warum, dass ich mitlerweile meistens sage, dass ich noch fahren muss (was meistens nicht mal gelogen ist, aber das muss man sich mal vorstellen!).
      Dass jemand freudestrahlend, mit stolz geschwellter Brust, aus scheinbar missionarischen Beweggründen verkündet, dass er keinen Alkohol trinkt, das ist mir so noch nicht begegnet, offen gestanden.

      • „Dass jemand freudestrahlend, mit stolz geschwellter Brust, aus scheinbar missionarischen Beweggründen verkündet, dass er keinen Alkohol trinkt, das ist mir so noch nicht begegnet, offen gestanden“

        Schau die einfach mal die Kommentare hier an,. Wenn das nicht alles anonyme Alkoholiker sind, dann frage ich mich, was die Leute bewegt.

  44. Ich finde das eine gute Idee. Die Gewohnheiten hinterfragen. Das gesellschaftlich ritualisierte durchbrechen. Alkohol verändert viele Menschen – nicht zu ihrem Vorteil.

    Ich habe aus Gesundheitlichen Gründen auch mal diesen Schritt gemacht. Um meinen Körper zu unterstützen. Und aus Dankbarkeit und Respekt gegenüber meinem Körper und dem Leben. Und da ich die Realität so großartig finde. Natürlich ist sie das nicht immer und manchmal auch unerträglich, aber bewusst und klar erleben ist wertvoll.

    Authentisch sein. Geht authentisch und Alkohol?

    Mein Versuch ist jetzt 16 Jahre her. Ich bin dabei geblieben. Ich finde es wunderbar. Ich bin immer ich. Für mich ist es nicht extrem. Es ist normal. Es ist sehr genießbar. Eine sehr besondere Zeit. Und nach wie vor bedanke ich mich jeden Tag, diese Realität erleben zu dürfen. Auch wenn ich manchmal lieber wegschauen würde.

    Guten Rotwein zu riechen ist toll. Irgendwann werde ich ihn wieder trinken. Aber das kann warten.

  45. Für eine 2te MPU benötige ich eine 12-monatige Abstinenz. 11 Monate habe ich jetzt hinter mir. Geht schon. Kloster Melissengeist u. ä. gibts halt nicht bei Erkältungen und die Mundspülung darf sowieso keinen Alkohol enthalten, das Deo am besten auch nicht. Alkoholfreies Bier, das gemäß der Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln auch bei alkoholfreiem Bier einen Alkoholgehalt von bis zu 0,5% erlaubt, ist absolutes Tabu.

  46. Pingback: Es war ein stürmischer Tag in meinem kleinen Blog. | Pro2koll.

  47. Vielen Dank für die vielen Kommentare zu meinen kleinen, persönlichen Notizen. Ich freue mich über die diverse Meinungen und die gedanklichen Anregungen. Inhaltlich werde ich über den einen oder anderen Einwurf sicher noch weiter nachdenken, während ich mein kleines Experiment fortführe.

  48. Es gibt wohl „Sucht“ und „Gewöhnung“ und vielleicht noch weiteres Ähnliches. Beides vielleicht mal nachlesen und schauen ob es Checklisten gibt. Psychologen verdienen gerne („Tamagotchi-Sucht“ „Killerspiele-Sucht“ „Iphone-Sucht“ „Twitter-Sucht“ „Bing-Sucht“ „google+{S,s}ucht“ (mehrdeutig ;-) )… ) und manche Zeitungen übertreiben gerne bzw. benutzen Begriffe unpräzise.

    Das Niveau steigt durch Alkohol meist nicht. Manche Veranstaltungen macht das ziemlich langweilig. Bei anderen wird das Glas nur pro Forma vor sich her getragen, weil z.B. Filmbälle und Preisverleihungen oft auch abendliche Business-Treffen sind. Die Kritiklosigkeit am kollektivem Alkoholgruppenkonsum und das dortige verkappte Mitschleppen von Alkoholikern ist trotzdem beschämend für die Gesellschaft und insbesondere ihre Manager, Meinungsmacher und Anführer.

    Junge Leute am Wochenende abends im Supermarkt kaufen aber auch meist nur 1 Flasche Bier o.ä. pro Gruppenmitglied. Wer morgens eine Flasche Korn am Kiosk kauft ist wohl eher problematisch.

  49. Ich bin ja schon von dem ganz normalen Sauerstoffanteil in der Luft so dauerhigh – insofern kann ich da jetzt nicht wirklich mitreden, aber…

    ….in vino veritas…..oder einfach:

    „Nüchtern ertrag‘ ich euch nicht.“

    Ein bisserl Wahrheit liegt schon in diesem selten ausgesprochenen, aber oft unbewusst gesagtem Satz – Impliziert, dass man ohne Alkohol mit ein wenig Geschick schnell auf irgendein Thema kommt, wo man mal Farbe bekennen muss oder eine Streitkultur an den Tag legen müsste, die man nicht mal annähernd in die Wiege gelegt bekommen hat.

    Wenn ich nüchtern auf Parties oder noch schlimmer Empfängen bin, übermannt mich desöfteren das Mitleid und in einem Anfall freiwilliger Selbsterniedrigung stürze ich mich auf den Rotwein. Außerdem mag ich Rotwein. Das passt so zu einem arroganten Ar*** wie mir.

    Freue mich sehr, dass du das durchziehst, Tillmann, was ist deine Ersatzdroge?

  50. mach das seit einigen Jahren auch so 4-6 Wochen um die Fatsenzeit rum (nicht immer konsequent) und war auch erstaunt, dass ich nicht unbedingt besser schlafe (da war ich mir vorher ziemlich sicher) und dass ich nach Feiern ohne Alkohol trotzdem manchmal Kopfschmerzen hatte.
    Eine Erkenntnis, die ich schon beim Rauchen abgewöhnen gemacht hatte: es sind die täglichen Rituale (z.B nach dem Essen eine rauchen, zum Steak ein Bier usw.) und häufig auch Gedankenlosigkeit, die uns zu „Trinkern“ machen – sind ja lt. Definition alle, die täglich Alkohol zu sich nehmen.
    PS: Rauche übrigens wieder gelegentlich

  51. Mach das gleiche Experiment mal mit Zucker, also jegliche Form von Zuckerextrakten und Nahrungsmitteln, denen Zucker beigesetzt wurde. Erweitere das um jegliche Produkte, die nicht mehr in ihrer ganzheitlichen Form vorkommen, z.B. geschälter Reis, weisses Mehl, etc. und zum guten Ende lässt Du dann auch noch sämtliche tierischen Produkte weg, Fleisch, Milch, Eier, etc. Willkommen in meiner Welt, mit der ich problemlos zurechtkomme. Und Du machst hier einen Zwergenaufstand, weil Du 14 Tage keinen Alkohol getrunken hast.

  52. Pingback: Jeder ordentliche Revolutionär sollte als erstes das Bier verbieten | Bandschublade

  53. Ich kann die „Probleme“ echt nicht nachvollziehen.
    Körperlich abhängig ist Tillmann offensichtlich nicht, scheint aber in irgendwelchen gesellschaftlichen Konventionen gefangen zu sein.
    Ich trinke selbst gern alkoholische Getränke; ein Wein an einem Abend, ein Bier an einem Samstag Nachmittag, auch gern mal ein Gläschen Whisky oder Absinth. Aber dann kommt es häufiger vor, dass zwischen zwei Flaschen drei, vier Wochen verstreichen, ohne dass ich auch nur einen Gedanken an den nächsten Drink verschwende.
    Ist nicht schwer. Nicht im geringsten.

    Ich schätze mal, das, was die Maus zu einem Elefanten macht, sind soziale Riten. Streiche das Wort „Feierabendbier“ aus deinem Wortschatz, sieh ein, dass es dämlich ist zwei Liter Apfelsaft wie Methadon runterzukippen während du versuchst, den Grund ihrer Laune zu analysieren nicht in die Gläser der Weintrinker zu geifern und wenn es sich nicht vermeiden lässt, eine Party zu besuchen, fahre mit dem Auto hin.

    Alkohol ist, in Maßen genossen, weder giftig noch sonst irgendwie gefährlich oder verachtenswert. Gewohnheiten dagegen sehr.

  54. – und die verbrämt mitleidigen Blicke, wenn man im Restaurant als Dessert „bitte etwas ohne Alkohol“ bestellt. Oder im Eiscafé nachfragt … (Letzte empirische Erhebung: Von 48 verschiedenen angebotenen Eisbechern drei ohne.)

  55. Pingback: Protokoll vom 14. Januar 2012beiTrackback

  56. Pingback: Iron Blogger_innen rocken los! » antischokke

  57. Komisch komisch. Ich weiß nichts über den Schreiberling, aber ich weiß, dass ich immer schief angeschaut werde von Leuten, die meinen ohne Alk geht nix. Diese Leute bemitleide ich dann manchmal, meisten rolle ich nur genervt die Augen, weil das viel mehr über sie als über mich aussagt.

    Mir schmeckt der Rotz einfach nicht und Kalorien hat er auch.

  58. Bis „Spackeria“ hab ich gelesen, dann war’s aus.
    Aber zum Thema, löblich, nicht so viel Gift in sich reinschütten zu wollen.

  59. Ich bin schon seit einem Jahrzehnt komplett abstinent und habe auch davor nur sporadisch getrunken.

    Inzwischen kann ich absolut nicht mehr nachvollziehen wozu man dieses Nervengift „braucht“. Um Spass zu haben? Das finde ich persönlich doch äusserst armselig.
    Wenn etwas im nüchternen Zustand keinen Spass macht, dann ist es auch nichts wert.

  60. Pingback: Kein Alkohol. Die letzten 14 Tage. | Pro2koll.

  61. Pingback: Kein Alkohol ist auch eine Lösung | Schlatterblog

  62. Naja, war ja nur so halb eine Abstinenz, mit Sekt und Bier zwischendurch. Alkfreies Bier enthält eben auch Allohol. Probiers mal ohne Alkohol aus, es lohnt sich.

  63. Das ist ein wirklich interessanter Blog. Ich würde gerne wissen, ob du noch immer auf Alkohol verzichtest. Bei mir geht es heute er los. Aber wenn ich diesen Blog lesen freue ich mich darauf.

  64. Wieso sollte man sich jeden Tag so dermaßen quälen, wenn man Lust auf Alkohol hat?
    Lustig auch diese Heuchlerei hier. Im Reallife trink jeder Alkohol und hier tut man gerade so, als wäre das eine Ausnahme und jeder ist ja sooo abstinent.
    Das sind vielleicht 3% der Gesellschaft die nichts trinken und haben sich wohl allesamt hier versammelt.

    Ich sehe es genau wie Tillmann Allmer. Ich verzichte auch nicht auf Alkohol (höchstens 1-2 Tage unter der Woche, dass sich der Körper auch mal erholen kann).
    Ansonsten sind 2-3 Bier am Abend (oder eins zum Mittagessen) zumindest in Bayern völlig normal.
    Solange es nicht mehr wird ist doch alles in Butter.

    Bin inzwischen 36 Jahre alt und trinke seit über 20 Jahren. Früher extremer auch mit wöchentlichen Party Koma Abstürzen, doch das nimmt im Alter automatisch ab. Jetzt vielliecht noch alle 1-2 Monate einen Abschuß, ansonsten komme ich mit einem Kasten Bier 2 Wochen hin (und Mittag gibt es meistens ein Helles zum Mittagessen).

    Hatte erst kürzlich einen Komplettcheck beim Arzt. Alle Werte top und er meinte auch, dass mein Trinkverhalten nicht problematisch für die Gesundheit sei.
    Dieser 20/24g reiner Alkohol sind gaaaanz vorsichtige Angaben, da die meisten sowieso das doppelte oder dreifache trinken. Nur muss man diese Werte so niedrig ansetzen, denn würden die Studien behaupten auch 60g Alkohol macht einem gesunden Mann am tag nichts, würden wohl die meisten 80-100g trinken und da wäre man auf Dauer dann doch eher gefährdet.

    Fazit:
    Wieso immer diese Selbstkasteiungen und alle oder nichts Prinzip.
    Einfach kontrolliert trinken und gut is.
    Schließlich ist in Bayern das Bier ein Grundnahrungsmittel und in Maßen auch Gesund.

    So, Mittag is… jetzt erstmal eine schöne Halbe! Prost!

  65. Michael Maria Schulze 20. Februar 2015 um 11:13 Antworten

    Ich habe auch schon oft lange keinen Alkohol getrunken, hatte auch immer das Gefühl, jederzeit von ihm lassen zu können. Inzwischen glaube ich aber, dass es leichter fällt, wenn man jünger ist. letzten Dezember wurde ich sechzig, und seit etwa April 2011 wird die Alkoholerei rasanter, hochfrquenter die Intervalle der Sauferei, und die Umwelt düsterer. Liegt das nun an mir, dem verendenden Glückszentrum im Gehirn, das keine Farben mehr erkennen kann oder einfach nur an der Gewohnheit?

  66. Ich habe Aschermittwoch mal für die nächsten 6 Wochen keinen Alkohol eingeplant. Vorher waren es 2-3 Liter Bier nach Feierabend. Ich will mir beweisen, dass es 6 Wochen ohne geht und es scheint zu gehen!! Was danach ist weiß ich noch nicht. Vielleicht nur am WE. Ich freu mich jedenfalls auf ein Glas Bier an Ostern.

  67. Hilfe, ich hab mich wiedererkannt. Und zwar zu 100%. Die Gedanken, Eindrücke…. Bin auch gerade dabei es zu versuchen. Aber einfach ist es nicht. Bleibt die Frage: sanfte Sucht oder blöde Angewohnheit?

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: