25 Jahre Mauerfall: Mein Tagebuch

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Ich war gerade im Keller und habe mein Tagebuch von 1989 gesucht. Das ist so schlecht und wird auf keinen Fall veröffentlicht!

Ich war 1989/90 für ein Jahr als Austauschschüler in den USA und das Tagebuch hat tatsächlich eine Lehrerin angeregt. An der High School war ich in einer Klasse für kreatives Schreiben und da gehörte sozusagen nur diese Kladde und ein Stift zum Unterrichtsmaterial. Neben Übungen aus der Creative Writing Class (Listen und mehr oder weniger allgemeine Lebensfragen, zu denen wir dann Essays schreiben sollten) begann ich tatsächlich, Tagebuch zu schreiben. Das habe ich vorher nicht gemacht und in dem Jahr 1989 erst begonnen. Es geht da meist um das Gastschüler-Dasein an sich. Also, wie ich die Umgebung sehe, viel über Mädchen und ganz viel Selbstfindungszeug. Rund um den 9.11.1989 geht es hauptsächlich um Amy, Marcey, Stefanie und Lisa, was einen halt so interessiert als gerade mal 17-Jähriger. Zum Mauerfall habe ich nichts in das Tagebuch geschrieben. Mitte November sind wir dann für ein paar Tage nach New York City gefahren. Das füllt sehr viele Seiten und auch hier viele Gedanken über Mädchen (was mir ehrlich gesagt gar nicht mehr so bewusst war, nun gut).

Ich kann mich aber durchaus noch daran erinnern, was ich gemacht habe, als die Mauer fiel. Ich lag auf meinem Bett und habe Hausaufgaben gemacht, als mich mein Gastvater ganz aufgeregt rief, ich würde nicht glauben, was auf CNN gerade gezeigt würde. Glaubte ich auch erstmal nicht. Sah dann die Bilder und telefonierte mit meinen Eltern. War echt. Aber ich war wohl zu sehr mit mir und den USA beschäftigt, als dass ich eine große, bleibende Emotion verspürt hätte. Dafür war das einfach gerade zu weit weg für mich. Ich habe den Mauerfall dann in den nächsten Wochen eher rational in amerikanischen Tageszeitungen oder dem TIME-Magazine verfolgt. Eine emotionale Auseinandersetzung damit begann dann erst im Sommer 1990, als ich wieder zurück in Deutschland war und die Wiedervereinigung konkreter vor der Haustür stattfand. Vielleicht kann ich auch deshalb den aktuellen Feierlichkeiten in Berlin nicht ganz so viel abgewinnen.

So war das damals bei mir.

Heute morgen habe ich sehr interessiert die Tagebucheinträge von Frische Brise durchgelesen. 1989 war sie zwölf und lebte in Ost-Berlin. Ihre Eltern hatten einen Ausreiseantrag laufen, der dann mit dem Mauerfall genehmigt wurde. Sie zogen dann nach Berlin-Zehlendorf. Lesenswerte Mädchentagebucheinträge mit Klassenfahrten, Schulnoten, Jungs, Pferden und eben dem Mauerfall und Umzug nach West-Berlin: Mein Mauerfall 1 / Mein Mauerfall 2 / Mein Mauerfall 3 / Mein Mauerfall 4

Ebenso interessant, wenn nicht sogar noch spannender, weil schon etwas erwachsener geschrieben und sehr persönlich, empfand ich die Tagebücher, die Mikis auf Wesensbitter über seinen letzten Sommer in der DDR momentan veröffentlicht. Sehr lesenswert: Mai / Juni / Juli / August / September / Oktober

via: Kraftfuttermischwerk und percanta.

Catvertising war gestern. Reactvertising™ hat den Raum betreten.

Die amerikanische Agentur John St. ist bekannt für ihre satirischen Promotion Videos. Als erstes sind sie mir vor ca. 3 Jahren aufgefallen mit ihrem Catvertising Video – eine Marketing-Strategie, die Katzenvideos ins Zentrum von Markenaktivitäten rückt. Oder dem BUYRAL-Trend, der zeigt, wie man durch Professional Clicking Videos „viral gehen“ lässt. Ein ganz heißer, neuer Trend, dem nun John St. auf der Spur ist, heißt Reactvertising: Echtzeit-Reaktionen von Marken auf aktuelle News mit hohem Popularitätswert. Quasi Hashtag-Hijacking:

via: E-Mail einer US-Kollegin.

Herbsturlaub am Großglockner

Es waren Herbstferien, die ersten Ferien unserer seit diesem Jahr schulpflichtigen Tochter. Unsere Kinder waren noch nie in den Bergen. Das sollte nicht so bleiben und daher haben wir unsere Sachen gepackt und sind nach Österreich in die Berge gefahren.

Was ich im Urlaub noch nie erlebt hatte war, dass ein Panoramabild unsere Unterkunft – eine hübsche Almhütte – alle 15 Minuten von einer Webcam fotografiert wurde. Derzeit ist ja die Überwachung des Internets durch die NSA in aller Köpfe. Jedoch wird viel zu wenig dagegen getan und viel zu wenig über die unerlaubte Sammlung und Auswertung unserer Daten demokratisch debattiert, wie wieder kürzlich und besonders anschaulich von Sascha Lobo in Hannover beklagt wurde (sehenswerter Videomitschnitt vom NDR, auch im Kontext der Folgen von Datenverwertung für die Zivilbevölkerung). Die totale Überwachung der Daten aller Menschen im Internet durch Geheimdienste bringt eine schleichende Veränderung der Gesellschaft und geänderte Verhaltensweisen von Individuen mit sich. Dadurch dass man weiß, dass man ständig beobachtet wird, passt man rational sein Verhalten diesem Umstand an, auch wenn man „nichts zu verbergen hat“. Denn man weiss nie, ob in einem bestimmten Kontext eine Handlung von Maschinen oder Analysten falsch interpretiert wird und Folgen für einen haben könnte. In Sascha Lobos Vortrag zum Zustand der digitalen Sphäre  wird z.B. der Fall überlegt, ob beispielsweise eine kritische Meinungsäußerung auf Facebook über die Außenpolitik von Obama, Einreiseprobleme bei der demnächst bevorstehenden, wichtigen Geschäftsreise in die USA mit sich bringen könnte. Entsprechend würde man sich also höchstwahrscheinlich entscheiden, seine Meinungsäußerung zurück zu halten und sich selbst zu zensieren. DDR-Erfahrene können davon ein Lied singen. An sich ist einem das Prinzip des Panopticons ja klar. Doch die Überwachung des Internets ist so allumfassend und gleichzeitig so abstrakt, dass sie für viele Bürger schwer nachvollziehbar ist. Was soll das denn mit einem selber zu tun haben? Saschas Vortrag beantwortet diese Frage sehr eindringlich.

So eine Webcam, die alle 15 Minuten ein Bild veröffentlicht, ist selbst verständlich nicht vergleichbar mit der Überwachungsesoterik unserer Geheimdienste. Aber sie ist konkret nachvollziehbar und tatsächlich war ich mir den ganzen Urlaub darüber bewußt, dass ich zufällig oder beabsichtigt gerade im Ausschnitt der Webcam herumurlaubte, wenn diese sich selbst auslöste. Ich habe mich also im Urlaub gedanklich eingehender und am eigenen Leib oberflächlich mit  Überwachung  beschäftigt.

Und hier kommt nun eine Auswahl an automatischen Urlaubsbildern, ganz im Sinne des Automatismus vom Gehirn und von der Hand befreit. So war’s in Osttirol am Fuße des Großglockners im Herbst 2014:

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Guten Tag, Kabel Deutschland am Apparat…

Abendstimmung.

Callcenter: „Guten Tag, Kabel Deutschland am Apparat. Wir gehören ja jetzt zu Vodafone und möchten gern ihren alten Vodafone Internet Vertrag auf Kabel Deutschland umstellen.“

Ich: „Ach, ich dachte schon, sie wollten sich kurz erstmal entschuldigen für den Ausfall vom Kabelfernsehen neulich in Berlin. Ich kaufe nämlich nichts am Telefon.“

Callcenter: aufleg.

Och, Kabel Deutschland, so wird das aber nichts mit uns. Ein bißchen Spaß muss sein. Musst doch nicht gleich beleidigt sein.

Berlin in den 90ern im Küchenradio

Heute zwischen den Waschmaschinenladungen auf dem Telefon in den Podcasts eine neue Folge vom Küchenradio gefunden: KR380 Berlin in den 90ern | Küchenradio.

Es wird das tolle Tumblr Berlin in den 90ern vorgestellt, bei dem ich beim Durchblättern ganz wehmütig werde. Und selber heute einmal in meinen alten Fotos nachgesehen; warum habe ich eigentlich in dieser Zeit kaum Bilder mehr gemacht?

Das Interview, in dem durch Fotos vom damaligen Berlin geblättert und viele Geschichten über die Zeit erzählt werden, ist auch als Video vorhanden:

Ebenso sehenswert: Bilder aus Westberlin.

Kleine Freude. Das neue Kopfsteinpflaster.

Kopf Stein Pflaster.

Neues Kopfsteinpflaster am Gleisdreieckpark.

Morgens fahre ich mit dem Fahrrad zur Arbeit gern durch den neuen Park am Gleisdreieck. Am Eingang Monumentenbrücke am Ende des Flaschenhals gibt es ein neues Kopfsteinpflaster, auf das ich mich morgens oft sehr freue. Es ist so akkurat gelegt, so glatt, dass man mit dem Rad wie über Butter fährt. Kein Geruckelt und Geholper. Neulich lobte ich einen der Pflasterer, der dort gerade letzte Arbeiten an dieser Stelle vornahm. Ich lobte ihn für seine Arbeit und erzählte ihm, dass ich mich morgens immer freue, über sein Kopfsteinpflaster zu fahre. Es würde mir richtig Spaß machen, so glatt wie das gelegt ist. Er lachte, bedankt sich für das Lob und erwiderte, dass das Kopfsteinpflaster, wenn sie fertig sind an dieser Stelle, noch glatter sein wird. Ich kann es kaum erwarten.